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Der Rettungssanitäter und das Rote Kreuz

So siehts aus ich bin Rettungssanitäter. Was mir das ganze bringt? kA.

Zivildienst is wirklich super: 3,5 Wochen Theorie dazwischen verteilt 4 wochen praktikum am Ende die große Sanintäter Prüfung und dann ist man Rettungssanitäter. Kurz und gut das bedeutet ich muss 9 stunden am Tag auf der Wache rumsitzen weils nix zu tun gibt ausser ab und an nen Rettungswagen oder nen Essen-auf-Rädern-Auto zu waschen/desinfizieren.

Das erste das sie uns klargemacht haben als wir am ersten Praktikumstag in der Wache ankamen war das wir den Fernseher nicht benutzen dürfen, den Computer nicht benutzen dürfen, die Brettspiele nicht benutzen dürfen, die Stereoanlage nicht benutzen dürfen, den Tischfussballtisch nicht benutzen dürfen, den Tischtennistisch nicht benutzen dürfen, das Sofa nicht benutzen dürfen, wir uns nicht hinliegen dürfen und/oder es uns in sonst einer Art bequem machen.

Damit das ganze ein klareres Bild abgibt werd ich hier noch ein bisschen Hintergrundinformation anbieten: Meine Eltern haben bis vor 16 Jahren in den Wohnungen die an das Rettungsgebäude angeschlossen und für Rot-Kreuz Mitarbeiter resreviert sind, gewohnt, folglich waren beide auch Angestellte des Illustren Vereins. Mein Vater, seines Zeichens arbeitswütiger Technischer Zeichner war freiwillig beim Roten-Kreuz und hat (wie mir andauernd und bei jeder gelegenheit vorgehalten wird) ständig bei allem mitgeholfen und sich keine ruhige Minute gegöhnt. Meine Mutter, ihrerseits Sozial angagierte Krankenpflegerin, hat beim Sozial-und-Gesundheitssprengel des Roten-Kreuzes tatkräftig mitgearbeitet und war dort auch Hauptberuflich angestellt. Am 10.11.1988 kam dann ich zur Welt: Meine Eltern kündigten beide beim Roten-Kreuz bauten ein Haus in einem 4km entfernten Örtchen und lebten glücklich und zufrieden bis...so weit sind wir noch nicht. Lange Rede kurzer Sinn die Rettung/ das Rote-Kreuz verlor zwei seiner angagiertesten Mitarbeiter (und das ist dann wohl meine Schuld? Mir kommt es wenigstens so vor als hätten die Hauptamtlichen der Rettung das ganze so ausgelegt).

Und jetzt 18.64753 Jahre Später komme ich als Zivildiener zur Rettung, voller hoher Erwartungen werde ich empfangen und mit großer entäuschung abgeschrieben als die Herrn wenig später erfahren das ich auf dem Gymnasium war (das is was schlechtes???), keinen Führerschein habe (ja?) und "nicht ganz" so arbeitswütig bin wie meine Eltern.

Von meiner Seite aus hab ich das ganze erst recht nüchtern betrachtet: ich hatte keine Möglichkeit mich vor dem ganzen zu drücken noch konnte ich sagen "du ne ich mach hier nix" und die Hände in den Schoß legen, folglich kam nur in frage das ganze einfach durchzuziehn und das hab ich auch gemacht.

4 Wochen und 3 Tage später, also 3 Tage nach Ende der Ausbildung und mit bestandener Sanitäterprüfung in der Tasche, wurde ich zum Obersten Oberchef bestellt den man sonst nur sieht wenn er nach Hause geht (6 Stunden vor allen anderen). Mit bösen Vorahnungen trotz reinen Gewissens ging ich also in den 2. Stock des Rot-Kreuz Gebäudes (begleitet vom für Zivildiener Zuständigen Hauptamtlichen) und meldete mich beim Bezirksstellen-Leiter.

Hier wieder ne kleine Hintergrund info: Ich hatte recht rasch festgestellt das es unter den anderen Zivildienern nur 2 Leute gab die halbwegs was in der Birne haben, zumindest soviel das man mit denen nicht über Autos reden müsste :> ,einer davon war ne nerven Säge und den anderen kannte ich schon von früher und der war echt in ordnung also war klar mit wem ich meine Arbeitszeit verbringen würde. Da ich weder Lust hatte über die dummen Witze der Hauptamtlichen zu lachen noch wahnsinnig daran interessiert war nach dem Zivildienst als Freiwilliger weiter zu arbeiten war mir doch recht klar das ich nicht der Muster-Zivildiener aus der Arbeiterklasse war den die fix angestellten Sanitäter sich gewünscht hätten. Mir war das egal: da ich meine Arbeit gut gemacht hab und immer pünktlich war und so weiter dachte ich das da ja eigentlich kein problem aufkommen sollte.

Jetzt wieder zurück zum Büro des Bezirksstellen-Leiters: Ich hab keine Ahnung wie der das macht aber irgendwie schafft der Mann es jedes noch so interessante Gespräch klingen zu lassen wie die langweiligste aller Reden über Zahnstein, deswegen will ich euch den 45 minütigen Vortrag lieber ersparen und erzähl euch nur das Ende: Ich : "Moment bitte, heisst das, dass ich genau das gleiche gemacht hab wie alle anderen aber dabei einfach nicht so 'motiviert' ausgesehen habe?" OrtsstellenLeiter: "blah blah blah blah.... Ja! Und deinen MP3 Player darfst du nicht mehr verwenden." Ich war also total Hirngefickt nach dem Gespräch dachte mir nur "Warum? Wieso? Was geht?" und geh wieder nach unten der Hauptamtliche Zivibeauftragte meint noch so "Nimm dir das Gespräch bitte zu Herzen." bevor ich im Bereitschaftsraum verschwinde.

So bald ich also durch die Tür in den Bereitschaftsraum gegangen bin brech ich vor lachen zusammen kann an nix anderes mehr denken also "Wie behindert! Was geht !?", frag meinen einen Kumpel noch so: " Kannste mit nach draussen kommen?", er meint so "Warum?", "Ich muss üben wie man nen Motivierten Gesichtsausdruck macht und du musst mir sagen ob ichs geschafft hab." bevor ich wieder von meinem Lachanfall überrumpelt wurde.

Am nächsten Tag dann hab ich also 'den Vortrag beherzigt' und genau das gleiche gemacht wie jeden Tag nur dabei nen gekünstelten Gesichtsausdruck aufgesetzt wenn n Hauptamtlicher vorbeikam. [def.: Motivierter Gesichtsausdruck: Große Augen machen und lächeln] Am Ende des Tages als ich grad von nem Krankentransport zusammen mit dem Hauptamtlichen, der auch Zivibeauftragter is!, wieder in die Wache komme fragt er so: "Siehste, heut macht dir die Arbeit doch schon viel mehr Spaß, nciht wahr?!" worauf ich meinte: "Ne, aber darum gings ja auch nicht oder?"

29.3.07 21:58





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